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MobilZeit - ein Mitbestimmungsmodell der flexiblen Arbeitszeit
Ausgangssituation
Die TRUNK GmbH & Co. Logistik KG gehört zu den 100 Pressegroßhändlern in
Deutschland. In dem Unternehmen werden 3,5 Millionen Presseexemplare
wöchentlich verpackt, bereitgestellt und ausgeliefert, werktäglich
werden über 2.900 Presseeinzelhändler beliefert. Über einen
Nachbestell-Service werden weitere 42.000 Exemplare auf Abruf
nachgeordert.
Pressegüter sind zumeist tagesaktuell, sie unterliegen einer rasanten
Veralterung und werden in ihrer Quantität und Qualität von
Umwelteinflüssen bedingt, die oft nicht vorhersehbar und steuerbar sind.
Die geringe Planbarkeit des Arbeitsanfalls, der gewachsene
Qualitätsanspruch des Verbrauchers sowie der gestiegene
Produktivitätsanspruch des Marktes und eine überraschende
Gesetzesveränderung in Bezug auf geringfügige Beschäftigte veranlassten
Trunk, sich Anfang 1998 am MobilZeit-Projekt des Bundesministeriums für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu beteiligen. Ziel war die
Entwicklung und Umsetzung von flexiblen MobilZeit-Formen, um
Arbeitsanforderungen und Auslastungsspitzen zu bewältigen, die bisher
vor allem durch den Einsatz von geringfügig Beschäftigten erfüllt
wurden.
MobilZeit bei TRUNK
Die Modellentwicklung und -umsetzung erfolgte durch eine betriebsinterne
Projektgruppe aus Mitarbeitern im operativen Bereich, der
Bereichsleitung, Gruppenleitung wie auch der Abteilungsleitung in
Zusammenarbeit mit einer Arbeitszeitberatungsgesellschaft. Die
Abteilungsleiter der übrigen Fachabteilungen sowie der Betriebsrat
wurden frühzeitig in die Entwicklungen eingebunden.
Das Projekt begann mit einer Analyse aller für die Arbeitszeitgestaltung
relevanten Betriebsdaten. Die Berechnungen ergaben, dass die
Schwankungen im Monatsvergleich zwar eher gering ausfielen, ein
Vergleich auf Wochenbasis mittlere Schwankungen aufwies, ein Vergleich
auf Tagesbasis jedoch zu sehr hohen Schwankungen kam. Das neue
Arbeitszeitsystem musste deshalb hochgradig flexibel sein und
kurzfristig auf Änderungen reagieren können.
Das Projektteam erarbeitete aus der jeweils subjektiven Sicht der
gewerblichen Mitarbeiter, des Mittelmanagements und der
Abteilungsleitung die Wünsche und Ansprüche an das neue
Arbeitszeitsystem. Aus dem ex-post-Datenmaterial und dem
Anforderungsprofil des Projektteams wurde gemeinsam ein
Arbeitszeitsystem mit folgendem Regelungsrahmen entwickelt:
-
Erarbeitung eines
Teilzeitmodells mit einer Jahresarbeitszeit von 1251,8 Jahresstunden
= 24 Wochenstunden
-
mit durchschnittlich
3 Arbeitstagen pro Woche (bei Einsatzzeiten von häufig 2 - 4 Tagen,
selten 1 - 5 Tagen pro Woche)
-
dem Einsatzprinzip
der flexiblen Absage (durch Mitarbeiter oder Unternehmen)
-
vertraglich
festgelegten Einsatzmöglichkeiten (von Montag bis Freitag mit
Tagespräferenz)
-
einem flexiblen
Tagesarbeitsende
Planungsinstrumentarien des Arbeitszeitsystems
Die Personaleinsatzplanung ist ein wesentliches Instrument zur Steuerung
der erforderlichen Flexibilität. Sie geschieht in mehreren zeitlichen
Schritten.
Bei der Jahresgrobplanung dient der durchschnittliche jährliche
Arbeitsanfall als Grundlage für den monatlichen Arbeitsanfall und damit
verbunden für die Höhe der zu leistenden Produktivitätsstunden. Aus der
Jahresplanung wird eine monatliche Arbeitszeitplanung erarbeitet. Diese
wird zur Grundlage für einen mittelfristigen Orientierungsplan, in den
der Mitarbeiter seine persönlich erwünschten Arbeits- und Freizeittage
eintragen kann. Unter Abwägung der Machbarkeit dieser Wünsche erarbeitet
der Abteilungsleiter den letztendlich verbindlichen Tagesplan.
Die geplante Tages-Arbeitszeit kann von der tatsächlich getätigten
Arbeitszeit abweichen. Plus- oder Minusstunden laufen auf ein separates
Arbeitszeitkonto, auf das der Mitarbeiter für seine spätere
Arbeitsplanung zurückgreifen kann.
Umsetzungsbegleitung
Zur Einführung der Mobilzeit wurden Informationsbroschüren frühzeitig
zum Einlesen und Einfühlen an die Mitarbeiter ausgeteilt. In
Qualitätszirkeln und durch gezielte Coaching-Maßnahmen wurden
Mitarbeiter und Abteilungsleiter auf das neue flexible Arbeitszeitsystem
und seine Möglichkeiten vorbereitet. Begleitende Maßnahmen wie
Feedback-Runden mit den Führungskräften, gezielte Fragestunden für die
Mitarbeiter und die frühzeitige Veröffentlichung des erarbeiteten
Datenmaterials in der Analysephase führten früh zu einer erhöhten
Akzeptanz des neuen Arbeitszeitsystems sowie zu einem integrativen
Prozess aller beteiligten Teilnehmer der Projektteams.
Ergebnis und Ausblick
Seit Februar 2000 arbeiten alle 250 Mitarbeiter der Trunk GmbH & Co.
Logistik KG mit dem neu entwickelten MobilZeit-Modell. Mit der
Einführung des flexiblen Arbeitszeitsystems wurde eine Vielzahl von
Anforderungen erfüllt:
-
Ausgleich
kurzfristiger Einsatzschwankungen
-
Abfangen von
Auslastungs-Spitzen
-
Personaleinsatz
möglich auch über die Regelarbeitszeit hinaus
-
Planbarer 24 Std. -
Service
-
Mitbestimmung der
Arbeitszeit für den Mitarbeiter
-
Einsatz von
Teilzeitkräften auch im Schichtsystem
Schon zu Beginn der Projektarbeit hatten die Mitarbeiter nach einem
Zeitprämiensystem gefragt, das unter Berücksichtigung von
Produktivitätskriterien und der geplanten Arbeitszeit zu einer
Zeitprämie für den Mitarbeiter führen sollte. Zusatzurlaub aus
Zeitprämien sollte möglich gemacht werden - ein Ziel, an dem Trunk zur
Zeit arbeitet.
Literaturquelle: Flexibel ist nicht genug. Vom Arbeitszeitmodell
zum effizienten Arbeits(zeit)management. Angela Fauth-Herkner (Hrsg.),
Datakontext, München2001. |