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Arbeitsplatz-Erhalt statt Entlassung: eine win-win-Situation für alle
Beteiligten
Ausgangssituation
Die SAALBAU GmbH, ein Veranstaltungsspezialist in Frankfurt am Main, ist
zu 100 % eine Tochter der Stadt. Das Unternehmen betreibt und vermietet
30 eigene Häuser, die für Veranstaltungen aller Art genutzt und von etwa
2 Millionen Gästen jährlich besucht werden. Oberste Priorität gilt der
Zufriedenheit der SAALBAU-Kunden, der Realisierung ihrer individuellen
Wünsche. Rund 200 Mitarbeiter organisieren die Veranstaltungen rund um
die Uhr und sorgen für eine permanente Qualitätsverbesserung und
effizientes Handeln.
Im Herbst 1994 verlangte der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main von
der SAALBAU GmbH erhebliche Einsparungen. Von Einsparungen bei den
Reinigungskosten erhoffte man sich einen maßgeblichen Beitrag für
notwendige Konsolidierungen. 87 Reinemachefrauen waren in 40 SAALBAUTEN
tätig, bis auf wenige Ausnahmen arbeiteten alle ganztags zu fest
geregelten Arbeitszeiten. Die Frauen waren bestimmten Häusern zugeteilt,
arbeiteten hier oft seit vielen Jahren, ein Wechsel von Haus zu Haus war
die Ausnahme. Neben den Reinigungsarbeiten erledigten die
Reinemachefrauen auch andere Arbeiten im Hausmeisterbereich.
Um betriebsbedingte Kündigungen von 2/3 der beschäftigen
Reinemachefrauen und dem Einsatz von Gebäudereinigungsfirmen oder eine
Arbeitszeitverkürzung um 1/3 zu verhindern, entwickelte die SAALBAU GmbH
zusammen mit der Gewerkschaft ÖTV Hessen ein alternatives Konzept.
Das Pilotprojekt "AG Reinemachefrauen"
Das Pilotprojekt erhielt die Aufgabe, innerhalb von einem Jahr im
Reinigungsbereich nachweislich 30 % der Kosten einzusparen.
Stellschrauben zur Erreichung dieses Ziels waren:
-
Rationalisierung der
Arbeitsabläufe
-
Flexibilisierung der
Arbeitszeiten, der Einsatzorte und Arbeitstechniken
-
Einführung
effizienter Arbeitsstrukturen - Teamwork
-
Job-Enrichment
Da die persönlichen Interessen und die betriebliche Notwendigkeit
stark miteinander verknüpft war, konnte das Projekt nur in enger
Zusammenarbeit mit den Beteiligten selbst gelingen.
Eine genaue Analyse in sechs ausgewählten Testhäusern erfasste alle
Reinigungsarbeiten, ihren zeitlichen Aufwand, die dafür genutzten
Reinigungsgeräte und -mittel und die Reinigungsmethoden sowie alle
Mängel. Anschließend entwickelte das Projektteam einheitliche Standards
für Sauberkeit und rationalisierte die Arbeitsabläufe durch
Aufgabenreduzierung .
Mit der Einführung variabler Arbeitszeiten, abgestimmt auf den
Veranstaltungsbedarf, die Kundenanforderungen und der Regelung,
angesammelte Überstunden in mehreren zusammenhängenden Tagen in
Absprache auszugleichen, und Entscheidungen über Arbeitszeiten und
Freizeitausgleich gemeinsam zu treffen, wuchs die Bereitschaft der
Beteiligten zu mehr Eigenverantwortung und der Beteiligung am Teamwork.
Die Umstellung auf neue Strukturen in der Arbeitsorganisation gelang
nach anfänglichen Widerständen und Schwierigkeiten immer besser.
Ergebnis des Pilotprojektes im Dezember 1995
-
Sozialverträglicher
Stellenabbau: 17 %
-
Einsparungen durch
Standardisierung von Reinigungsmitteln und -methoden: ca. 3 %
-
Ein bedeutendes
Rationalisierungspotential durch die Flexibilisierung der
Arbeitszeiten und Einsatzorte sowie die Einführung von Teamwork.
-
Stärkung der
Motivation, Leistungs- und Schulungsbereitschaft, mehr
Selbständigkeit und gewachsenes Selbstbewusstsein der
Reinemachefrauen.
Das Ziel, 30 % der Kosten einzusparen, war trotz aller Erfolge nicht
erreicht worden. Sorgfältige Recherchen zeigten jedoch eine Möglichkeit:
Verknappung der Personalressourcen in den einzelnen Häusern durch
Freistellung von 12 Frauen und gleichzeitiger Einsparung von Kosten für
eine Gebäudereinigungsfirma.
Der Projektbeirat erklärte sich mit diesem Versuch auf Grund der guten
Vorgaben des Projektes einverstanden. Er bewilligte eine Verlängerung
des Probelaufes um zwei Monate - d. h. bis Ende Februar 1996.
Der zweite Versuch: Das Bildungs- und Kulturzentrum Höchst - SAALBAU
Bikuz
Mit Unterstützung einer externen Beraterin wurde ein Arbeitszeitmodell
in Verbindung mit klar umrissenen Arbeitsabläufen und -methoden
entwickelt.
Das Arbeitszeitmodell entsprach den Reinigungsanforderungen des Hauses,
das eine Reinigungsfläche von über 49.000 qm umfasst. Es fiel aber aus
dem Rahmen der sonst im Unternehmen üblichen, wenn gleich bereits
flexibilisierten Arbeitszeiten. Und doch war es Ergebnis von
Diskussionen und Gesprächen mit den Reinemachefrauen, die sich auf
dieses Experiment freiwillig eingelassen hatten.
Mit Hilfe eines Leistungsverzeichnisses entstand ein wöchentlicher
Einsatz- und Arbeitsplan. Darin wurden Arbeitszeiten und Arbeitszonen
festgeschrieben sowie persönliche Präferenzen für Zusammenarbeit in den
einzelnen Arbeitszonen berücksichtigt.
Auf Grund hoher Motivation schafften die Reinemachefrauen diese
Herausforderung innerhalb von zwei Monaten. Es gelang ihnen nicht nur,
das große Haus zur Zufriedenheit aller Beteiligten zu reinigen. Man fand
die Ergebnisse der Reinigungsarbeit weitaus besser als zuvor. Parallel
dazu setzten die Reinemachefrauen in den anderen Häusern die
Umstrukturierung und Rationalisierung der Arbeitabläufe effizient um.
Ergebnis und Ausblick
Mit der erfolgreichen Umsetzung des Pilotprojektes blieben nicht nur
Arbeitsplätze, auch die gesamte Arbeitsorganisation der SAALBAU
profitierte von diesem Experiment. Es bewies, dass Rationalisierung und
die Entwicklung von Effizienz in enger Verknüpfung mit Mitarbeitern und
klaren Zielvorgaben als Prozess möglich sind.
Am Ende des Jahres 2000 ließen sich folgende positiven Resultate
zusammenfassen:
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Die Aufwertung der
Reinigungsarbeit hat das Selbstbewusstsein der Frauen gefördert.
Kreativität und Engagement brachten neue Impulse in das gesamte
Hausteam.
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Das flexible
Arbeitszeitmodell hat zu einer Rationalisierung der
Arbeitsorganisation beigetragen und damit den Standard des
Dienstleistungsangebots deutlich erhöht. Kundenzufriedenheit und
Wirtschaftlichkeit wurden gesteigert.
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Mehr Verantwortung
für die Reinemachefrauen erhöht die Teamfähigkeit, auch mit
Hausverwaltern und Vorgesetzten, und stärkt das
Durchsetzungsvermögen.
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Das Job-Enrichment
bewährt sich inzwischen bei ca. 1/3 der Reinemachefrauen. In
kleineren Häusern übernehmen sie zusätzliche Aufgaben wie
Telefondienste, Kundenanfragen beantworten oder Dienstpläne
erstellen.
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Aufstiegschancen sind
greifbar geworden: Inzwischen ist eine Reinemachefrau Leiterin eines
SAALBAUs, zwei Frauen arbeiten als Kundenbetreuerinnen.
Literaturquelle: Flexibel ist nicht genug. Vom Arbeitszeitmodell
zum effizienten Arbeits(zeit)management. Angela Fauth-Herkner (Hrsg.),
Datakontext, München2001. |