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Das Zeit-Wertpapier
Ausgangssituation
Der vorzeitige Übertritt in den Ruhestand, also vor Erreichen der
Altersgrenze von 65 Jahren, ist heute der Regelfall und nicht die
Ausnahme. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Sie reichen auf Seiten des
Arbeitgebers vom Zwang zum sozial abgefederten Personalabbau bis hin zum
Wunsch nach Neugestaltung der Mitarbeiterstruktur. Auf Seiten des
Arbeitnehmers ermöglicht der Vorruhestand, all das zu tun, was in den
Jahrzehnten davor dem Beruf untergeordnet wurde.
Das "Zeit-Wertpapier", die Weiterentwicklung eines zunächst bei
Volkswagen entstandenen Lebensarbeitszeit-Modells, ist ein attraktives
Modell zur Frühpensionierung, das gleich mehrere Reformanforderungen
berücksichtigt: Es ermöglicht den sozial abgefederten vorzeitigen
Rückzug aus dem Arbeitsleben, sorgt damit für Beschäftigungseffekte und
trägt außerdem den Interessen der Sozialversicherungsträger und des
Fiskus Rechnung.
Die Pension Consult Beratungsgesellschaft für Altersvorsorge mbH,
München, ein Unternehmen der HypoVereinsbank-Gruppe, hat im Rahmen einer
Kooperation der HypoVereinsbank AG mit der Volkswagen AG die
Weiterentwicklung betrieben und bietet das "Zeit-Wertpapier" als
Instrument der Lebensarbeitszeitgestaltung und Altersvorsorge
Unternehmen aller Branchen und Größen als zukunftsweisenden Beitrag der
Beschäftigungssicherung an.
Das Modell Zeit-Wertpapier
Das Modell Zeit-Wertpapier bietet dem Mitarbeiter die Möglichkeit, nach
Vereinbarung mit dem Arbeitgeber Teile seiner künftigen Ansprüche aus
dem Beschäftigungsverhältnis in ein Zeit-Wertkonto einzubringen.
Eingebracht werden können, je nach Festlegung im Unternehmen,
Geldansprüche (z.B. Tantieme) und/oder Zeitansprüche (z.B. Plusstunden,
Urlaubstage). Zeitansprüche werden aufgrund der aktuellen
Einkommensdaten des Mitarbeiters in Geld umgerechnet.
Die auf dem Zeit-Wertkonto erfassten Bruttobeträge werden vom
Arbeitgeber in professionell verwalteten Investmentfonds angelegt und
können dort interessante Renditen erwirtschaften. Ab dem 55. Lebensjahr
kann der Mitarbeiter das angesparte und entsprechend der
Kapitalmarktentwicklung fortgeschriebene Guthaben zur Finanzierung
seiner Freistellung bis zur Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses
entnehmen.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Neben den Vorgaben des Tarifrechts und des allgemeinen Arbeitsrechts
sind bei der Ausgestaltung des Zeit-Wertpapiers insbesondere
Vorschriften des Sozialversicherungsrechts und des Steuerrechts zu
beachten. Die wichtigsten Regelungen sind:
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Basis ist das Gesetz
zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen
vom 6.4.1998, dem sog. Flexi-Gesetz. Dieses Gesetz verschiebt die
Verbeitragung von für die Verkürzung der Lebensarbeitszeit "angesparten"
Arbeitsentgelten auf die Freistellungszeiträume.
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Eine attraktive
Neuregelung betrifft die Anerkennung des sogenannten
"Huckepackverfahrens", das ist die Übertragung bereits erworbener
Ansprüche auf einen neuen Arbeitgeber.
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Die Zulässigkeit, den
Ansparvorgang ohne Einbehalt von Lohnsteuer vorzunehmen, wurde vom
Bundesfinanzministerium in einem Erlass vom 4.2.00 klargestellt.
Lohnsteuer ist somit nicht zum Zeitpunkt der Gutschrift abzuführen,
sondern erst dann, wenn der Arbeitslohn zur Auszahlung gelangt.
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Schuldner der
bezahlten Arbeitsfreistellung ist der Arbeitgeber. Als Eigentümer
erfasst er die erworbenen Investment-Anteile auf der Aktivseite
seiner Bilanz im Finanzanlagevermögen.
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Der Arbeitgeber hat
auf der Passivseite seiner Bilanz eine Rückstellung wegen
Erfüllungsrückstand zu bilden.
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Das Modell
Zeit-Wertpapier führt zu einer Bilanzverlängerung und damit formal
zu einer Veränderung verschiedener Bilanzkennzahlen. Im Zuge von
Unternehmensratings können jedoch die
Zeit-Wertpapier-Bilanzpositionen auf Aktiv- und Passivseite
unberücksichtigt bleiben, so dass ein verändertes Rating ebenso
wenig zu erwarten sein dürfte wie eine veränderte Beurteilung der
Finanzkraft und des Kreditrahmens eines Unternehmens.
Die Kapitalmarktanlage
Die Dauer der bezahlten Freistellung wird bestimmt von der Höhe des
Wertguthabens, das für den Mitarbeiter durch seine Einbringungen und
deren Anlage am Kapitalmarkt entstanden ist. Die Qualität der
Kapitalanlage ist daher von entscheidender Bedeutung für die
Attraktivität des Zeit-Wertpapiers.
Im wesentlichen entscheidet der Anlagehorizont über die Zusammensetzung
eines optimalen Investmentportfolios. Pension Consult hat dafür bei
ihrer Schwestergesellschaft Activest die Auflage spezieller
altersgruppenabhängiger Investmentfonds veranlasst. Dabei handelt es
sich um Dachfonds, die ihrerseits in Investmentfonds investieren. Die
Anlage in Dachfonds ermöglicht nicht nur eine optimale Streuung der
Risiken auf verschiedene Regionen oder Märkte, sondern zugleich eine
Streuung auf verschiedene Kapitalanlagegesellschaften. Hierdurch kann -
unabhängig von persönlichen Präferenzen für bestimmte
Kapitalanlagegesellschaften - der nach objektiven Benchmarks jeweils
beste Fonds in das Portfolio aufgenommen werden.
Ergebnis und Ausblick
Das Angebot "Zeit-Wertpapier" erhöht die Flexibilisierungspotentiale des
Unternehmens, seine Attraktivität am Arbeitsmarkt und trägt zur
Motivation der Mitarbeiter bei.
Arbeitnehmer erhalten mit dem Zeit-Wertpapier ein Instrument, unter
Einbeziehung des Kapitalmarktes ihre Lebensarbeitszeit zu gestalten und
dabei das - aus dem Blickwinkel der sozialen Absicherung wichtige -
Arbeitnehmerverhältnis beizubehalten.
Pension Consult hat zur Einführung des Zeit-Wertpapiers Standards und
Instrumentarien entwickelt, die es allen interessierten Unternehmen
ermöglicht, das Zeit-Wertpapier ohne großen Arbeits- und administrativen
Aufwand zu nutzen.
Literaturquelle: Flexibel ist nicht genug. Vom Arbeitszeitmodell
zum effizienten Arbeits(zeit)management. Angela Fauth-Herkner (Hrsg.),
Datakontext, München2001. |