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Auftragsorientierte Kapazität durch flexible Arbeitszeit
Ausgangssituation
Ein Textilhersteller mit 80 Mitarbeitern steht zunehmend unter dem
Wettbewerbsdruck durch die Konkurrenz auf dem Weltmarkt. Das
Produktprogramm des Herstellers für Strumpfhosen und Socken für Kinder
umfasst rund 5.500 Positionen. Wegen der speziellen Nachfragesituation -
im Bereich Accessoires akzeptiert der Handel lediglich kurzfristige
Lieferzeiten - bei gleichzeitigem Bemühen, das Fertigwarenlager und
damit die Kosten möglichst niedrig zu halten, muss der Textilhersteller
äußerst flexibel produzieren können. Damit Kapazitäten relativ
kurzfristig rauf- und runtergefahren werden können, ist ein flexibles
Arbeitszeitmodell notwenig.
Ein weiterer entscheidender Grund für ein flexibles Arbeitszeitmodell
ist die schwierige Personalsituation. Immer weniger Berufsanfänger
entscheiden sich für eine textile Ausbildung, weshalb meistens nur
ungelernte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. 85% der Mitarbeiter sind
Frauen, für die ein flexibles Arbeitszeitmodell wegen der guten
Vereinbarkeit von Beruf und Familie besonders attraktiv ist. Um
Fachkräfte und gut angelernte Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen
zu binden, führte der Textilhersteller ein an den Bedürfnissen der
Mitarbeiter orientiertes Arbeitszeitmodell ein, das Teilzeit mit
Jahresarbeitszeit verbindet. Dabei können eine größere Anzahl von Plus-
bzw. Minusstunden fortgeschrieben werden.
Die Wochenarbeitszeit
Von den 80 Mitarbeitern arbeiten 40 Mitarbeiter zwischen 10 und weniger
als 38,5 Stunden pro Woche. Beim Eintritt können die Mitarbeiter die
Länge ihrer Arbeitszeit als Regelarbeitszeit festlegen. Bei geänderten
Verhältnissen des Mitarbeiters kann diese nach Rücksprache geändert
werden. Um die geleisteten Stunden den vereinbarten Wochenstunden
gegenüberstellen zu können und das Plus- /Minuskonto korrekt zu führen,
werden die Arbeitsstunden elektronisch erfasst. Die Mitarbeiter können
ihr Plus- /Minuskonto bis zum dreifachen ihrer üblichen Wochenstunden
ausschöpfen.
Wegen der unterschiedlichen Arbeitsanforderungen wird die flexible
Wochenarbeitszeit in den einzelnen Abteilungen unter verschiedenen
Rahmenbedingungen durchgeführt. In der Verwaltung können die Mitarbeiter
ihre Aufgaben in einem Zeitrahmen zwischen 7.00 Uhr und 19.00 Uhr, im
Versand zwischen 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr erfüllen. Die Stelle des
Kundenservice muss hingegen von 8.00 bis 17.00 besetzt sein. Die
Mitarbeiterinnen sprechen die Zeiten eigenverantwortlich ab. In der
Konfektionsabteilung wählen die Mitarbeiterinnen ihre individuelle
Arbeitszeit aus dem möglichen Zeitrahmen von 5.00 Uhr bis 21.00 Uhr aus.
Hier sind mehr als die Hälfte der Mitarbeiterinnen für zwei bis drei
Arbeitsgänge einsetzbar. Verbunden mit genügend Arbeitsplätzen und
Maschinen eröffnet diese Verfügbarkeit ein gewaltiges
Flexibilisierungspotential, welches voll genutzt wird. Allein in der
Strickerei können die Mitarbeiter die Flexibilisierung nicht nutzen.
Hier wird im 2-Schichtbetrieb gearbeitet.
Praxiserfahrung
Herzstück der gesamten Flexibilisierung ist die bedarfsgerechte Erhöhung
bzw. Reduzierung der Kapazität. Kapazitätserhöhung oder -reduzierung
funktioniert nicht durch Anordnung. Sie muss mit den Mitarbeitern
besprochen werden. Die Geschäftsleitung und Produktionsleitung erklärt,
warum und in welchem Ausmaß z.B. in den nächsten sechs Wochen mehr oder
weniger gearbeitet werden soll. Die Mitarbeiter geben dann ihren
direkten Vorgesetzten bekannt, wann Sie die Mehrarbeit leisten wollen
oder von wem und wann Zeitguthaben abgebaut wird. Dies funktioniert nur,
wenn gegenseitiges Vertrauen und Verständnis vorhanden ist.
Ergebnis und Ausblick
Die Vorteile, welche sich aus den flexiblen Arbeitszeiten ergeben, sind
wesentlich größer als die Kosten, die Ölz durch die höhere Anzahl an
eingerichteten Arbeitsplätze entstanden. Die Vorteile sind:
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Die Kapazität kann
kurzfristig um etwa 30% reduziert oder erhöht werden.
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Auftragsorientierte
Kapazitätsanpassung ermöglicht das Angebot von Serviceleistungen,
die auf dem Markt als Wettbewerbsvorteile genutzt werden können.
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Kompetente und
zufriedene Mitarbeiter sind ein wichtiger Erfolgsfaktor. Ein an den
Mitarbeiterbedürfnissen orientiertes Arbeitszeitmodell erhöht die
Zufriedenheit, was eine geringe Fluktuation sowie niedrige
Fehlzeiten zur Folge hat.
Literaturquelle: Flexibel ist nicht genug. Vom Arbeitszeitmodell
zum effizienten Arbeits(zeit)management. Angela Fauth-Herkner (Hrsg.),
Datakontext, München2001. |