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Das zeitkontengeführte Schichtmodell der Flughafen Frankfurt/Main AG
Ausgangssituation
Durch die Zulassung von Drittabfertigern auf dem Flughafen Frankfurt
wird sich für die Flughafen Frankfurt/Main AG (FAG) der Wettbewerbsdruck
in Zukunft erheblich verstärken. Um sich von den Mitbewerbern durch
Qualität und ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis abzuheben, muss
die Effizienz der Leistungen der FAG deutlich verbessert werden. Mit dem
Ziel, Kosten zu senken, Produktivitätssteigerungen zu erreichen,
betriebliche Arbeitsabläufe zu optimieren und gleichzeitig die Sicherung
und den Ausbau der Arbeitsplätze zu erreichen, wurde von der
Unternehmensleitung der "Take-Off-Prozess" ins Leben gerufen.
Ein Hauptprojekt des Take-Off-Prozesses war die Flexibilisierung von
Arbeitszeiten und Personaleinsatz. Die Projektgruppe, die sich aus
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der operativen Fachbereiche, des
Betriebsrates unter der Leitung des Bereiches
Personal-Service-Leistungen zusammensetzte, hatte folgende Zielsetzung:
- Schaffung von Freiräumen für Unternehmen und Beschäftigte
- Reduzierung der Personalkosten/Senkung der Lohnstückkosten
- Erhöhung der individuell verfügbaren Jahresarbeitszeit
- Optimierung der Produktivität pro Beschäftigtenstunde
- Senkung der Fehlzeiten
Das Problem: Für ca. 7000 Schicht- und Wechselschichtbeschäftigte,
die nach insgesamt 650 unterschiedlichen Dienstplänen arbeiteten, musste
eine heterogene Arbeitszeitstruktur gefunden werden.
Das zeitkontengeführten Arbeitszeitmodell
Der weitaus größte Anteil der Schicht- und Wechselschichtbeschäftigten
arbeitete nach einem 7/4-7/3 Raster, d.h. dass nach sieben Arbeitstagen
im Wechsel vier bzw. drei freie Tage folgen. Der Nachteil: Auf
kurzfristige Bedarfsschwankungen konnte nur mit Zusatzdiensten
(Überstunden) oder betrieblichen Personalumsetzungen reagiert werden.
Trotzdem erfreute sich dieser Rhythmus, wegen des hohen Freizeitwertes,
großer Beliebtheit. Seine Beibehaltung war deshalb eine Hauptforderung
des Betriebsrates. Mit der Einführung des zeitkontengeführten
Arbeitszeitmodells konnte diese Bedingung erfüllt werden.
Die Hauptbestandteile des zeitkontengeführten Arbeitszeitmodells sind:
- das Jahresarbeitszeitkonto
- das Lebensarbeitszeitkonto
- Dispositionsschichten
- variable Anfangs- und Endzeiten
Das Jahresarbeitszeitkonto
Das Jahresarbeitszeitkonto besteht aus zwei voneinander unabhängigen
Konten, dem Plus- und dem Minuskonto. Im Pluskonto kann ein Zeitguthaben
aufgebaut werden, das stunden- oder tageweise abgebaut oder auf das
Lebensarbeitszeitkonto übertragen werden, jedoch nur in Form von
Freizeit in bedarfsschwachen Zeiten in Anspruch genommen werden kann.
Das Minuskonto wird in Form von Sollstunden (Dispositionsstunden)
belastet, die durch die Kürzung der Überlappungszeiten (von 39 auf bis
zu durchschnittlich 37 Stunden pro Woche) entstehen. Hinzu kommen
Zeitschulden aus den variablen Anfangs- und Endzeiten. Die Zeitschulden
erfolgt in Form von Dispositionsschichten oder -stunden in
bedarfsstarken Zeiten.
Das Lebensarbeitszeitkonto
Folgende Guthaben können auf diesem Konto verbucht werden:
- bis zu fünf Tage Tarifurlaub
- Urlaubsansprüche aus Zusatzurlauben (z. B. für geleistete
Nachtstunden)
- zusätzlich freier Tag gem. Tarifvertrag
- am Jahresende vorhandenes Guthaben aus dem
Jahresarbeitszeitkonto.
Das Lebensarbeitszeitkonto kann von den Beschäftigten genutzt werden,
um in Absprache mit ihren Vorgesetzten z. B.
- die Lebensarbeitszeit zu verkürzen
- die Arbeitszeit vor dem Ruhestand stufenweise zu verkürzen
- längere Freistellungen einzulegen
- für einen befristeten Zeitraum Teilzeit bei vollem Lohnausgleich
zu leisten.
Zur betrieblichen Realisierbarkeit und Sicherstellung des
Personalausgleiches unterliegt das Lebensarbeitszeitkonto bestimmten
Bedingungen. Es ist für alle Beschäftigten der FAG nutzbar.
Die Dispositionsschichten
Mit der Vergabe von Dispositionsschichten können Bedarfsspitzen ohne
Dienstplanveränderungen bzw. Überstunden abgefangen werden. Die Anzahl
der zu leistenden Dispositionsschichten ergibt sich aus der errechneten
Zeitschuld im Dienstplan. Die Planung und Vergabe der
Dispositionsschichten erfolgen gemeinsam zwischen Führungskraft und
Mitarbeiter/Mitarbeiterin.
Die Führungskräfte achten auf eine gleichmäßige Verteilung des Abbaus
der Dispositionsschuld unter Berücksichtigung verschiedener
betrieblichen und gesetzlichen Regelungen.
Variable Anfangs- und Endzeiten
Dieses Instrument dient der betrieblichen Feinsteuerung des
Personaleinsatzes unter Berücksichtigung der Interessen der
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die im Dienstplan ausgewiesenen
Anfangs- und Endzeiten können um 60 Minuten plus/minus variiert werden,
wenn betriebliche Belange es erfordern und der Beschäftigte
einverstanden ist, oder wenn es der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin
wünscht und es betrieblich möglich ist.
Ergebnis und Ausblick
Da das neue Arbeitszeitmodell komplett und flächendeckend eingeführt
wurde, betrafen selbst kleinere erforderliche Anpassungen immer den
Gesamtbetrieb und führten zu erheblichen Verunsicherungen bei den
betroffenen Beschäftigten. Trotz einer breiten Maßnahmenpalette zur
Information der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führte das zu
erheblichen Akzeptanzproblemen. Mit der Einrichtung einer
Konfliktgruppe, die sich aus Vertretern der Unternehmensleitung und des
Betriebsrates zusammen setzte, konnten die Schwierigkeiten bewältigt
werden. Eine schrittweise Einführung in den Betrieb wäre jedoch sinnvoll
gewesen und hätte eine Vielzahl von Problemen ausgeschlossen.
Mittlerweile hat sich das zeitkontengeführte Arbeitszeitmodell bewährt,
es wurde im Laufe der Zeit mit weiteren flexiblen Elementen wie
beispielsweise Gleitzeit und flexiblen Schichten angereichert.
Durch die Einführung des zeitkontengeführten Arbeitzeitmodells
- kann in allen Schicht- und Wechselschichtbereichen zukünftig
äußerst flexibel auf Bedarfsschwankungen reagiert werden.
- können Bedarfsschwankungen ohne die bisher üblichen
Dienstplanveränderungen oder Personalumsetzungen bewältigt werden.
- konnte der geplante Personalmehrbedarf aufgrund von
Verkehrssteigerungen und neuen Geschäftsfeldern um 236 Planstellen
reduziert werden (Einsparung ca. 18,8 Mio. DM).
- war bereits im ersten halben Jahr eine Reduzierung der
Überstundenkosten um 2,5 Mio. DM zu verzeichnen.
Literaturquelle: Flexibel ist nicht genug. Vom Arbeitszeitmodell
zum effizienten Arbeits(zeit)management. Angela Fauth-Herkner (Hrsg.),
Datakontext, München2001. |