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Flexibler Mitarbeitereinsatz im Dresdner Margarinewerk -Interner
virtueller Arbeitsmarkt
Zusammenfassung
Mit der Sicherung einer nachfragerechten Produktion für den Kunden
treten erhebliche Schwankungen in den Produktionsanforderungen auf.
Durch technische und organisatorische Maßnahmen wurde die erforderliche
Flexibilität in den letzten Jahren ständig weiter entwickelt. Nunmehr
mußte eine neue Qualität gefunden werden, die es uns ermöglicht unter
den Bedingungen eines Kleinbetriebes die Einsatzflexibilität noch besser
mit Qualifizierungsanforderungen zu verbinden. Dazu wurde ein Konzept
zum flexiblen Einsatz auch in völlig anderen Arbeitsaufgaben erstellt
und bereits ansatzweise umgesetzt.
Ausgangssituation
Profil
Das Dresdner Margarinewerk, ein Betrieb der Nahrungsmittelindustrie,
produziert Margarine für den Endverbraucher. Es ist ein
Tochterunternehmen der Vandemoortele Gruppe mit Sitz in Belgien.
Vandemoortele ist ein europaweit agierendes Nahrungsmittelunternehmen.
Im traditionsreichen Margarinewerk in Dresden wird bereits seit 1920
Margarine hergestellt. 1991 wurde der Betrieb von VDM gekauft. Es wurden
bisher über 40 Millionen DM investiert. Mit einer 1993 neu gebauten
Produktionsanlage und einem 1997 in Betrieb genommenen neuen Kühllager
gehört es zu den modernsten Margarinefabriken in Europa.
Die Produktionsverfahren sind durch einen hohen Automatisierungsgrad
gekennzeichnet und stellen damit an die Mitarbeiter sehr hohe
Qualifikationsanforderungen.
Derzeit sind im DMW ca. 90 Mitarbeiter beschäftigt.
Das Unternehmen ist Mitglied im Sächsischen Arbeitgeberverband Nahrung
und Genuß und Tarifpartner der Gewerkschaft Nahrung Genuß und
Gaststätten. Der Betriebsrat ist ein essentieller Bestandteil bei der
Erarbeitung und Umsetzung der komplexen Aufgaben.
Problemstellung
Auf der Grundlage der immer stärkeren Globalisierung der
Handelsunternehmen steigt der Wettbewerbsdruck erheblich. Kosten sind
damit auch in unserem Bereich die zumeist entscheidenden Faktoren für
einen Auftrag. Dabei sind die zum Teil erheblichen Schwankungen der
Produktionsmengen ein entscheidender Kostenfaktor, da unsere Produkte
grundsätzlich erst nach Auftragseingang hergestellt werden. Margarine
ist ein Lebensmittel mit einem festgelegten Mindesthaltbarkeitsdatum und
kann somit nicht "auf Lager" produziert werden. Die eingehenden Aufträge
unterliegen saisonalen aber auch sehr kurzfristigen nicht voraussehbaren
erheblichen Schwankungen. Dieses hohe Maß an Produktionsflexibilität zu
organisieren ist eine vorrangige Aufgabe in unserem Unternehmen.
Mit den bisherigen Investitionen haben wir die technischen
Voraussetzungen für eine äußerst effiziente Produktion geschaffen. Es
ist nunmehr die gemeinsame Aufgaben von Betriebsrat und Geschäftsleitung
das Potential in den Human-Ressourcen als Wettbewerbsvorteil zu nutzen.
Dazu wurden seit 1997 eine Vielzahl von Projekten realisiert.
Die gemeinsame Plattform der Schwerpunkte unserer Arbeit wurde mit der
Fixierung unserer Unternehmensphilosophie erreicht.
Auszug aus der vereinbarten Unternehmensphilosophie:
Ertragsorientierung
Erwirtschaftung einer angemessenen Rentabilität des eingesetzten
Kapitals durch Minimierung der Herstellungskosten.
Kundenorientierung
Hohe Flexibilität gegenüber dem Kunden gehört zu unserem
Selbstverständnis.
Für die inhaltliche Umsetzung sind eine kritische und offene
Unternehmenskultur und eine konsequente Einbeziehung des Betriebsrates
bereits in der Vorbereitung.
So wurde 1997 die Jahresarbeitszeit mit Arbeitszeitkonten (in
Zusammenarbeit mit Fauth-Herkner & Partner im Rahmen des vom
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend initiierten
MobilZeit-Projektes) eingeführt. Dies war der erste Schritt für einen
flexiblen Mitarbeitereinsatz. Saisonale Schwankungen konnten somit
teilweise ausgeglichen werden. Im Rahmen einer Betriebsvereinbarung
wurde festgelegt, daß die wöchentliche Arbeitszeit von Sonntag 22°° Uhr
bis Samstag 22°° Uhr möglich ist und bei geringerem Produktionsvolumen
entsprechend reduziert wird. Seit 1998 haben wir die
Jahresteilzeitarbeit eingeführt. Dabei wurden mit ca. 40% der
Mitarbeiter arbeitsvertraglich vereinbart, daß in Phasen verminderter
Produktionsanforderungen nur 80% der Jahresarbeitszeit als Soll-Zeit zu
Grunde gelegt werden. Die Entlohnung erfolgt auf der Basis der Soll-Zeit
Festlegung.
Zeitgleich wurde 1997 eine ergebnisbezogene Entlohnung eingeführt. Zwei
für alle Mitarbeiter des Unternehmens gleiche Kriterien der
Effizienz-Bewertung wurden als zusätzliche außertarifliche Entlohnung
vereinbart. Etwa 10% des tariflichen Entgeltes werden entsprechend der
Erfüllung der Kennziffern gewährt. Eine Kennziffer wird auf Grundlage
von monatlichen Fettverlusten und eine weitere Kennziffer auf Grundlage
eines optimalen Personaleinsatzes ermittelt.
Als eine wichtige Basis im Rahmen der Personalentwicklung werden seit
1998 Entwicklungsgespräche mit jedem Mitarbeiter realisiert. Auf der
Grundlage der bisher erreichten Ergebnisse wird eine Defizitanalyse
durchgeführt und werden zwischen Mitarbeiter und Führungskraft Aufgaben
für das Folgejahr vereinbart. Ein Schwerpunkt sind persönliche
Qualifizierungen.
Ein Optimum an Mitarbeiterleistung ist nur dann möglich, wenn die
Arbeitsbedingungen so gestaltet sind, daß gesundheitliche Belastungen
auf ein Mindestmaß reduziert werden können. Dazu wurden alle
Arbeitsplätze in enger Zusammenarbeit mit der AOK und der
Berufsgenossenschaft auf mögliche gesundheitliche Gefährdungen überprüft
und gemeinsam Maßnahmen zur Verbesserung festgelegt. Neben den äußeren
Faktoren, der Ergonomie und Arbeitsplatzgestaltung wurde ein Projekt mit
den Arbeitsorganisationspsychologen der Technischen Universität Dresden
zur Prüfung der Inhalte der Arbeitsaufgabe durchgeführt. Auch aus diesem
Projekt wurden in Zusammenarbeit mit unseren Mitarbeitern entsprechende
Änderungen fixiert.
Zielstellung des Projektes
Die Ziele des Projektes lauten:
-
Einsatzflexibilisierung der Mitarbeiter für Arbeitsaufgaben
innerhalb des Bereiches sowie in anderen Bereichen des Unternehmens
zur Realisierung von Aufgabenspitzen.
-
Aufbau eines internen
virtuellen Arbeitsmarktes.
-
Erarbeitung von
Grundlagen für erforderliche Qualifizierungen.
Mit der Umsetzung der Zielstellungen sollen die erheblichen
Schwankungen in der Auftragslage ohne externe, für die spezifische
Aufgabe nicht ausreichend qualifizierte Mitarbeiter ausgeglichen werden
können. In der Nahrungsmittelindustrie sind neben den spezifischen
Arbeitsaufgaben insbesondere auch die hygienischen Bedingungen zu
beachten.
Die Grundlagen dafür sollen innerhalb von 12 Monaten geschaffen werden.
Umsetzung des Projektes
Projektorganisation
Die Projektgruppe besteht aus Vertretern des Betriebsrates, Mitarbeitern
der Personaladministration und des Managements. Die hohe Komplexität
machte eine Hinzuziehung von weiteren Mitarbeitern erforderlich.
Die Bearbeitung des Projektes im Rahmen des Netzwerkes "Systematisches
Beschäftigungsmanagement" der Bertelsmann Stiftung war insbesondere für
ein kleines Unternehmen besonders effektiv. In unserem Unternehmen haben
wir keine Spezialisten auf dem Gebiet der Personalentwicklung. Der Input
in den Auftaktveranstaltungen des Netzwerkes, aber besonders die
Workshops mit dem Instrument "Projektrüttelstrecke" waren für uns
wichtige Unterstützung und Entscheidungshilfen.
Bewertung und weiterer Handlungsbedarf
Der Umbau der Ablauforganisation wurde eingeleitet. Diese
Organisationsänderung ist im Unternehmen noch nicht abgeschlossen. Im
Rahmen eines aus diesem Projekt abgeleiteten Zusatzprojektes wird eine
Intranetlösung erarbeitet. Die modular aufgebauten Stellenbeschreibungen
sind ein entscheidender Baustein der Ablauforganisation und so
gestaltet, dass die modularen Bausteine umgehend neu zusammengestellt
werden können und ebenso die Grundlage für Teamarbeit sind.
Die in Abb.3 dargestellte interne Einsatzflexibilisierung der 1. Ebene
war bereits vor Beginn des Projektes umgesetzt und entspricht den
normalen Anforderungen einer Teamarbeit.
Die interne Einsatzflexibilisierung der 2. Ebene (Abb. 5) nutzt die
unterschiedlichen Potentiale der Mitarbeiter. Dazu wurden die
Arbeitsaufgaben zwei grundsätzlichen Potentialkomplexen zugeordnet. Eine
neue Qualität der Einsatzflexibilisierung wurde mit der Einführung der
3. Ebene der Einsatzflexibilisierung erreicht. Dabei können Mitarbeiter
in sehr unterschiedlichen Arbeitsgebieten eingesetzt werden. Grundlage
ist eine dafür bestimmte Facharbeiterqualifikation oder eine intensive
spezifische Arbeitsplatzqualifikation. Die in der Abb.6 dargestellten
Zusammenhänge sind z.T. bereits realisiert. So wurden Mitarbeiter des
Kühllagers an Anlagen im Produktionsbereich sowie auch umgekehrt
qualifiziert und bereits entsprechend eingesetzt. Für Arbeitsaufgaben,
die eine spezifische Facharbeiterausbildung (z.B. Elektriker oder
Laborant) erfordern müssen Mitarbeiter über solche Qualifikationen
bereits verfügen oder werden bei Einstellungen entsprechend ausgewählt.
Haupteinsatz sind Anlagenfahrer im Produktionsbereich. Sie werden in die
konkreten Arbeitsaufgaben (z. B. Schichtelektriker, Schichtlaborant)
eingewiesen.
Neben den spezifischen Qualifizierungsanforderungen sind die Mitarbeiter
in jedem Fall periodisch auf diesen Arbeitsplätzen einzusetzen. Konkrete
Anforderungen an die Personaleinsatzplanung nicht nur für den
Funktionsbereich sondern für das ganze Unternehmen (siehe Arbeitsgruppe
Personalplanung) ergeben sich daraus, dass die Mitarbeiter nicht bei
entsprechenden Kundenaufträgen sondern auch zur Erhaltung ihrer
Qualifikation regelmäßig auf diesen Arbeitsplatz eingesetzt werden
müssen.
Eine weitere Flexibilisierung erwarten wir durch externen Austausch der
Beschäftigten mit anderen Unternehmen der Lebensmittelproduktion
(Abb.7). Dazu wurde bisher erst eine Interessenabstimmung durchgeführt.
Die Bildung eines örtlichen Arbeitskreises ist dazu vorgesehen. Neben
den organisatorischen Aufgaben sind besonders auch die juristischen
Probleme (Arbeitnehmerüberlassung) zu beachten.
Durch die Umsetzung des Projektes können Arbeitsplätze für unbefristet
eingestellte Mitarbeiter gesichert werden und für die erforderlichen
Aufgaben unter den Bedingungen einer hohen
Mitarbeitereinsatzflexibilität stehen Fachkräfte zur Verfügung.
Autorin: Angela Fauth-Herkner |