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Von der Gleitzeit zur aufgabenorientierten Arbeitszeit
Ausgangssituation
Audi, ein Hersteller von Autos im Premiumsegment mit rund 43.000
Beschäftigten, ist ein Tochterunternehmen des Volkswagen-Konzerns. Der
Großteil der Jahresproduktion von über 600.000 Fahrzeugen findet an den
beiden deutschen Standorten Ingolstadt und Neckarsulm statt.
Für das Audi Center, das erstmals den Vertrieb unabhängig vom
Mutterkonzern übernahm und damit Kunden ermöglichte, ihr Neufahrzeug
direkt im Produktionswerk selbst abzuholen, war es notwendig, ein neues
Arbeitszeitmodell zu schaffen, das den Schwankungen des Kundenstroms
eher gerecht wurde, als es konventionelle Gleitzeitmodelle ermöglichten.
Denn: saisonale und wöchentliche als auch tägliche Zyklen mussten
bewältigt werden. Im Sinne der Kundenorientierung und um eine
gruppenbezogene Selbststeuerung der Arbeitszeit zu erreichen, wurde für
das Audi Center eine flexibleres Gleitzeitmodell vereinbart.
Arbeitszeitmodell Audi Center
Das Arbeitszeitsystem Audi Center stellte eine konsequente
Weiterentwicklung des Gleitzeitsystems dar. Kernpunkte waren die
Einbeziehung des Samstags (07:00 Uhr bis 14:00 Uhr) in den
Arbeitszeitrahmen und das Ersetzen des Kernzeitbegriffs durch eine von
der Organisationseinheit zu definierende Ansprechzeit in Verbindung mit
einer Mindestarbeitszeit von 4 Stunden pro Tag.
Die Anwesenheitsplanung wurde weitgehend selbständig durch die
Mitarbeiter anhand des zu erwartenden Arbeitsvolumens durchgeführt. Die
Möglichkeit des Zeitübertrags sowohl vom Volumen als auch vom
Abrechnungszeitraum wurde erweitert (+/- 35 Stunden je
Kalenderhalbjahr), um den saisonalen Schwankungen besser gerecht zu
werden. Dieses Modell fand alsbald in allen kundennahen Bereichen wie
Marketing, Vertrieb oder Öffentlichkeitsarbeit Anwendung und wurde mit
erweiterten Arbeitszeitrahmen bis in die Abendstunden kombiniert, um den
Kontakt zu Händlern und Importeuren trotz Zeitverschiebung zwischen
Ländern und Kontinenten und erweiterten Ladenöffnungszeiten zu
optimieren.
Variable Arbeitszeit
Die Ideen des Gleitzeitmodells für das Audi Center mit der Abkehr von
einer starren Kernarbeitszeit hin zu einer Mindestanwesenheitszeit in
Verbindung mit einer qualifizierten Anwesenheitsplanung wurden
aufgegriffen und im Sinne einer weiteren Flexibilisierung der
Arbeitszeit im Rahmen eines Pilotprojekts im Jahr 1999 flächendeckend im
Werk Neckarsulm als "Variable Arbeitszeit" erprobt.
Jede Organisationseinheit kann eine Kommunikationszeit und innerhalb
dieser eine Mindestbesetzung festlegen. Ebenso wurde die Beschränkung
des Zeitübertrags und Zeitausgleichs aufgehoben und auf der Grundlage
des Tarifvertrags durch einen gleitenden Ausgleichszeitraum von 12
Monaten ersetzt. Dadurch ist jedoch besondere Disziplin bei Mitarbeitern
und Vorgesetzten notwendig, um ein reibungsloses Funktionieren zu
gewährleisten. Durch gemeinsames aktives Zeitmanagement, unterstützt
durch das Personalwesen, wird ein zu starkes Anwachsen der Zeitkonten in
beide Richtungen vermieden.
Für Mitarbeiter der oberen Gehaltsgruppen wurden die Ideen der
"Variablen Arbeitszeit" noch einen Schritt weiter ausgebaut. Dieser
Personenkreis arbeitet in "Vertrauensarbeitszeit", d.h. es erfolgt keine
Zeiterfassung und -verrechnung mehr.
Nach bestandener Bewährungsprobe ist die "Variable Arbeitszeit" seit 1.
Januar 2000 im gesamten Unternehmen für alle 10.500 "Gleiter" gültig.
Zusammenfassung und Nutzen
Mit der Flexibilisierung der Arbeitszeiten hat man ein Instrument
geschaffen, das in der Lage ist, den Arbeitskräftebedarf und -bestand zu
synchronisieren, die Kundenorientierung zu fördern und die Mitarbeiter
zu motivieren. Die Vorteile eines flexiblen Systems sind insbesondere:
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Die flexible
Anpassung der Arbeitszeit an Schwankungen des Arbeitsanfalls erhöhen
primär die Produktivität.
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Die Motivation der
Mitarbeiter steigt, dadurch entsteht eine geringere Fluktuation
sowie geringere Fehlzeiten. Zudem ist eine leichtere Rekrutierung
von Arbeitskräften insbesondere bei Engpassqualifikationen möglich.
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Personalabbau wird
aufgrund gesetzlicher Regelungen zunehmend schwieriger und teurer.
Durch die Veränderung des Arbeitszeitvolumens kann man einen
erforderlichen Personalabbau vermeiden.
Im Vordergrund muss jedoch immer die bedarfsgerechte Gestaltung des
Arbeitszeitsystems stehen. Dies impliziert die Notwendigkeit,
maßgeschneiderte eigene Wege zu suchen, konsensfähig zu machen und zu
realisieren. Grundvoraussetzung für den notwendigen Gestaltungsservice
ist ein entsprechendes Fach- und Prozess-Know-how im Personalbereich;
darüber hinaus haben sich bei Audi in den jeweiligen Erarbeitungs- und
Abstimmungsprozessen so genannte Arbeitszeitkoordinatoren der
Fachbereiche sowie des Betriebsrats als überaus hilfreiche Partner
erwiesen, da sie quasi als Katalysatoren wirken.
Literaturquelle: Flexibel ist nicht genug. Vom Arbeitszeitmodell
zum effizienten Arbeits(zeit)management. Angela Fauth-Herkner (Hrsg.),
Datakontext, München2001. |